Das Buch “Warum Beethoven mit Gulasch um sich warf” von Steven Isserlis fand ich in einer Datenbank mit der Empfehlung „Vergnügliche und kurzweilige Biographien von berühmten Komponisten”.
Die Kurzbeschreibung bei Amazon lautet: „Dieses Buch ist eine einzigartige Einführung für Jugendliche in die Welt der klassischen Musik und derer Komponisten. Es wird aber auch Erwachsene begeistern. Der berühmte Cellist Steven Isserlis erweckt sechs seiner Lieblingskomponisten - Bach, Mozart, Beethoven, Schumann, Brahms und Stravinsky - in unwiderstehlicher Art zum Leben. Er malt vergnügte biographische Portraits von ihnen und beschreibt ihre Musik mit lebendigen Details. Warum Beethoven Berliner warf bündelt Fakten, Daten und Anekdoten in attraktiver und zugänglicher Sprache und macht neugierig auf die Musik.”
Da ich gerne Kinderbücher lese und dieses Buch vielleicht auch für meine Schüler interessant sein könnte, habe ich mir dieses Buch besorgt und gelesen.
Mein Fazit nach dem Durchlesen: „Ich will bestimmt kein Komponist werden, weil dann muss ich allem Anschein ein schrulliger, ekelhafter Kerl sein, der eine Zumutung für seine Mitmenschen ist. „
Steven Isserlis sammelt Anekdoten über die Komponisten, die diese sehr unsympathisch erscheinen lassen. Eine Vermieterin von Isserlis Vater war auch Vermieterin von Beethoven. In ihrer Erinnerung war Beethoven ein Mensch der aus dem Fenster auf die Straße spuckte und leider ziemlich häufig das Fenster verfehlte und die Wände verdreckte.
Bach klagt darüber, dass so wenig Menschen sterben und er deswegen nichts verdienen könne. Usw.
Das alle im Buch beschrieben Komponisten etwas merkwürdige Charakter waren, ist bekannt. In der Beschreibung von Isserlis wirken diese doch eher wie unsympathische und egozentrische Psychopathen. Letztlich schreckt Isserlis meiner Meinung nach den Leser eher ab, sich mit diesen Komponisten zu beschäftigen.
Auch so halte ich dieses Buch für nicht sehr gelungen. Anfänglich wirkten die auflockernden Witze von Isserlis sehr sympathisch auf mich, weil er aber immer wieder dieselbe Art von Witzen macht, wurde es auf Dauer langweilig und nervtötend. Der fortwährende Gebrauch des Ausrufezeichens bei seinen Kommentaren wirkt auf Dauer etwas phantasielos.
Isserlis scheint sich auch nicht ganz klar über das Alter seiner Zielgruppe sein. Die Ansprache schwankt stark zwischen 10 und 16-Jährigem.
Sprachlich wirkt auch manches sehr hölzern. Der Übersetzer scheint sich ab und zu nicht so recht vom englischen Satzbau lösen zu können.
Die Hörempfehlungen sind auch fragwürdig. Glaubt Isserlis wirklich, dass sich ein normaler Jugendlicher auf Grund seines Buches hinsetzt und sich die Matthäuspassion von Bach erst häppchenweise anhört, dann in größeren Abschnitten und dann ganz.
Isserlis hat vermutlich ein Buch geschrieben, was er gerne als musikalisch hochbegabtes Kind gerne gelesen hätte. Aber das entspricht nicht dem normalen Jugendlichen. Die werden anders für klassische Musik gewonnen. Z.B. meine Geigenkollegen berichten, dass die Serie „Little Amadeus” zu einem kleinen Boom an Anfragen bei ihnen ausgelöst hat.
Der Beitrag wurde am Freitag, den 2. März 2007 um 08:22 Uhr veröffentlicht und wurde unter Buchbesprechung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
3 Reaktionen zu “Warum Beethoven mit Gulasch um sich warf - Steven Isserlis (Buchbesprechung)”
Schade, dass Ihnen dass Buch nicht gefallen hat. Mich hat es beim ersten Mal lesen richtig aus den Socken gehauen, wie man so schön sagt. Aber ich muss zugeben, dass ich es auf Englisch gelesen habe und dass es im Original viel mehr Charme hat als die deutsche Version.
Und da ich mich so in dieses Buch verliebt hatte, suchte (und fand) ich einen Verlag, der meine Übersetzung herausbringen würde. Ich habe bis jetzt praktisch nur positive Rückmeldungen bekommen, auch von Musikern.
Es stimmt schon, dass diese Komponisten zum Teil als komische “Kläuse” dargestellt werden - ich fand es aber erfrischend, sie zur Abwechslung als Menschen und nicht als Halbgötter vorgestellt zu bekommen. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
@Kathrin Balmer-Fisch
Mich würde jetzt mal interessieren, warum man als Übersetzerin einen Text in den Druck gibt, von dem man als Übersetzerin selbst den Eindruck hat, dass dieser nicht an das Orginal heran reicht.
Wie stark Sprachqualität bei Übersetzungen schwanken kann, war sehr schön bei Harry Potter zu sehen. Die Versuche von Kindern, die Übersetzungen unter Termindruck, die Übersetzungen, bei denen der Übersetzer Zeit hatte.
Und ich glaube bei ihrer Übersetzung wäre sprachlich noch einiges drin gewesen.
Ich habe nicht gesagt, dass die Uebersetzung nicht ans Original heranreicht. Ich wollte damit nur sagen, dass bei einer Übersetzung immer etwas “liegen bleibt”, denn Sprachen sind nun mal nicht deckungsgleich. (Abgesehen davon habe nicht ich den Text in den Druck gegeben, sondern der Verlag.)
Beim Uebersetzen ist es wie bei der Musik: Man interpretiert die Vorlage, und das Resultat stösst nicht bei allen auf die gleiche Begeisterung - und besser machen kann man es immer.
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